„Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ – ein Roman, so erfrischend wie Orangen-Ingwer-Karottensaft direkt aus dem Mixer

„Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ von Alina Bronsky. Ein Roman, den ich auch ohne mit zu viel Langeweile und zu wenig Schokolade im Bus oder Zug sitzend, nicht aus der Hand legen kann. Rosalinda nimmt zuerst ihre („dumme und hässliche“) Tochter auseinander, weil sie ein Kind erwartet (welches eigentlich nur beim Träumen von einem Mann entstanden sein kann – mit so einer Tocher fängt keiner freiwillig etwas an) und sieht sich dann nach der Geburt der wunderschönen Enkelin dazu gezwungen, sie als Großmutter unter ihre Fittiche zu nehmen. Mit möglichst großem Abstand zur Tochter. Diese Ich-Erzählerin, selbstverliebte Mutter und frisch gebackene Oma, nimmt die Dinge in die Hand und bringt sie zu ihren Gunsten zu Ende. Wenn am Abendessentisch was nicht läuft, zündet sie eben die Tischdecke an. Das Feuer ist schnell gelöscht und das stressige Abendessen mindestens genauso schnell beendet. Und wenn ihr nach einer Zeit völliger egoistischer Zurückgezogenheit endlich auffällt, wie dreckig und ungewaschen ihre Enkelin rumläuft und ihre eigene Tochter den Haushalt nicht auf die Reihe kriegt, wird eben kurz umgesattelt und die Enkelin mit einer Katze erpresst. Du bist gut in der Schule, wäschst ab, räumst auf, machst die Wäsche und kümmerst dich um die Einkäufe – 3 Monate lang – schreibst du mit? Dann bekommst du eine Katze. Und irgendwie wendet sich für diese („wunderschöne, kluge, herzensgute“) Frau immer alles zum Guten. Für diese Frau, die von sich selbst redet und dabei ausversehen das Leben ihrer Tochter und ihrer Enkelin erzählt.

Der Roman umfasst drei Frauenschicksale, 320 Seiten und dreißig Jahre – von der Nachkriegszeit in Russland bis zum Casting-Zeitalter in Deutschland.

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