Kunst im Kopf und am Körper. Und 9 neue Farben für den Klassiker von Arne Jacobsen.

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Es gab eine Zeit, da war ein Künstler einfach nur ein Handwerker. Er wusste wie’s gemacht wird und malte ab, was er sah.
Sie waren eben keine Künstler-Künstler mit Atelier und Aschenbecher und Allem. Drum und Dran. Sie waren Kunstschaffende.
Als der gute Brunelleschi dann die Zentralperspektive erfand, wurde den Künstlern endlich mehr Respekt gezollt. Denn nun waren sie nicht mehr nur Handwerker, sondern irgendwie auch Wissenschaftler.
Das war schon mal ein Anfang. Viel später aber gab es dann ein paar fesche Kunsterzieher, die Rationales und Gefühl nicht mehr länger trennen wollten. Respekt, ja, aber bitte nicht nur für Perfektion. Danke.
Alfred Lichtwark war der Gründer eines Museums in Hamburg und der hat zum Beispiel mal was ganz Fesches gesagt: „Wir wollen“ den Kunstunterricht „nicht, wie er vielfach aufgefasst worden ist als ein Mittel der Gewöhnung an Ordnung, Sauberkeit und mechanische Beharrlichkeit, sondern als die Entwicklung der Auffassungs- und Ausdrucksfreudigkeit betrachten.“  Jawoll.

Also haben wir nicht mehr nur kunsterschaffende Handwerker, die unser Leben gestalten, sondern jetzt sind’s eben die Künstler-Künstler, die, die alles reinhauen, was sie in sich und um sich finden. Patsch. Und was ist mit denen, die zwar auch Künstler sind, sich aber Designer nennen? Ich glaube die sind auch Künstler-Künstler, nur dass sie eben Kunst in Serie machen. Welche mit der wir uns umgeben, die eine Form hat und gleichsam auch noch praktisch ist. Eine Form, auf die wir uns setzen, in der wir uns pudelwohl fühlen. Denselben Effekt hat vielleicht auch die Form auf einer Leinwand, nur eben im Kopf. Statt im Körper.
Arne Jacobsen hat sich 1955 eine von diesen Serien ausgedacht. Eine, die wir jetzt noch lieben. Eine, die nichts will außer Stuhl zu sein. So sympathisch und zurückhaltend wie eine monochrome Leinwand. Gut stapelbar und bequem. So steht er einfach nur da. Seit 60 Jahren. Mehr als sieben Millionen Exemplare stehen verteilt in den verschiedensten Zimmern dieser Erde. Fritz Hansen hat nun zu einem Körper-Künstler einen Kopf-Künstler gerufen und ihn gebeten, die Serie von Arne Jacobsen zum Jubiläum noch einmal in neun verschiedene Farben zu tauchen.

Tal R ist 1967 in Israel geboren und lebt in Kopenhagen. Er malt mit dem rostigstem Rot, dem blaustem Blau und dem senfigstem Gelb. Kein Wunder, dass er auch für Stühle die richtigen Farben findet. Der schwarze, weiße, der braune und der blaue sind sogar monochrom gehalten, sodass Gestell und Schale in dieselbe Farbe getaucht sind. Und ein bisschen Spaß hat so ein Künstler-Künstler bestimmt auch, wenn er einfach mal nur Anweisungen geben darf für eine Produktion, eine überhaupt nicht einzigartige Serie, eine funktionale Form – zum Spüren am eigenen Körper.

fritzhansen.com
Ab Juni 2015 erhältlich.

all images © Fritz Hansen

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