Ein Wochenend-Tipp für alle, die mal wieder Langeweile brauchen: Rehof Rutenberg in der Uckermark.

Dieses Wochenende habe ich mich gelangweilt. Das konnte ich schon lange nicht mehr von mir behaupten. In Zeiten von Instagram und Netflix, Facebook und Freelance gibt es immer was zu tun. Mails checken, ein paar Artikel des Tages überfliegen oder, auch sehr wichtig, sich darüber informieren, was es bei Unbekannten zum Abendessen gibt.

Als ich Freitagnachmittag in der Uckermark aus dem Auto stieg, vergnügt meine sieben Sachen in das angemietete Ferienhaus brachte und mein Handy zückte um als erstes – oh helle Freude – einer Freundin ein Foto von diesem wunderbar eingerichteten Ort zu schicken, an dem ich die nächsten Tage verbringen würde, trug es sich also zu, dass – oh Schreck, schwere Not – mein Mobiltelefon ächzend und stöhnend in der linken oberen Ecke des Displays schlicht ‘kein Netz‘ anzeigte.

Man könnte jetzt davon ausgehen, dass ich absichtlich ein #digital detox gebucht hatte, um Abstand von Stress und Social-Media zu nehmen. Allerdings war dem überhaupt nicht so. Völlig nichtsahnend bin ich da hinein geschlittert, in dieses netzlose Örtchen. Hätte ich das gewusst, hätte ich schließlich vor Abfahrt meine Follower durch ein Foto und den vielsagenden Hashtag darüber informieren können, dass ich mir nun eine Zeit ohne Internet gönnen würde.

Quatsch mit Soße. Ich gehöre sowieso nicht zu den regelmäßigen Pos(t)ern, weshalb sowieso niemand den Unterschied hätte ausmachen können, ob mein Status gerade auf Auszeit oder auf Volle-Power-Social-Media steht. Aber auch ohne Ankündigung und bewusster Anteilnahme meiner Follower habe ich die Zeit genossen. Ich durfte merken, wie es ist, mit der hereinbrechenden Dunkelheit müde zu werden und morgens aufzuwachen, wenn die Sonne aufgeht. So ganz natürlich und normal. Ist das ja eigentlich auch – aber in Zeiten von abendlichen Filmsessions bei Laptop-Licht kommt der Körper nur allzu leicht aus dem Rhythmus.

Marieken Verheyen und Martin Hansen haben 2012 ihr Leben umgekrempelt und sind von Amsterdam in die Uckermark gezogen. Dort haben die Künstlerin und der Filmemacher und Grafiker einen ehemaligen Pfarrhof gekauft. Das Dach der Scheune drohte einzustürzen, der Garten war verwildert, Wasser und Stromleitungen waren nicht vorhanden oder mussten komplett erneuert werden. Die meisten ihrer Freunde erklärten sie für verrückt, aber die beiden waren verliebt in das Gelände und konnten nicht anders als hinter den ruinösen Gebäuden und der Unkrautwildnis einen wunderschönen Ferienort zu sehen. Es ist ein Dreiseitenhof, bestehend aus einem Wohnhaus, einer Scheune und zwei Stallgebäuden. In den letzten drei Jahren ist daraus der Re:hof Rutenberg entstanden.

Ein neues Ferienhaus konzipierten die beiden zusammen mit einem Architekten, die Entwürfe für zwei weitere Bauten haben sie selbst entwickelt. Ein Gartenhaus steht direkt am freien Feld. Die Front ist komplett verglast, in der Nische findet sich ein Bett – und wer morgens da aufwacht, dem verspreche ich einen Weitblick vom Entspannungsgrad einer irre guten Kopfmassage. Natürlich auch extrem instagram-tauglich. Das Gute an dem Ganzen ist, dass genau das einem nach zwei Tagen individuellem Schlafrhythmus, frischer Brötchen vor der Tür, Lesen, Saunieren und nichtstuend auf der Terrasse rumhängen so ziemlich schnurz ist.

Langfristig wollen Marieken und Martin den Hof möglich selbstversorgend und energieunabhängig werden lassen. Zuerst haben sie ein Pflanzenklärbeet gebaut, in dem das Abwasser zu Frischwasser umgewandelt wird. Damit gießen sie die Pflanzen. Sonnenkollektoren erwärmen das Duschwasser. Und beim Betreten der Ferienwohnung umfängt einen ein angenehmer Duft nach Holz und Lehm, der so gar nichts vom Aroma künstlicher Duftkerzen hat, sondern einfach nur von Natur. Jede Wohnung hat eine Küche und im eigenen Hofladen gibt es eine kleine, aber feine Auswahl von leckeren Lebensmitteln in Bio-Qualität von der Vivani-Schokolade über Basmati-Reis bis zum Rotwein.

Das einzige, an das man denken sollte, das einem womöglich während der Zeit zu früh ausgehen könnte, sind Bücher. Viele Bücher.

Und wenn ihr jetzt beim nochmaligen Überfliegen der Überschrift denkt, ihr braucht aber keine Langeweile, was will ich denn mit sowas – dann kann ich das verstehen. Man weiß nicht, dass man sie braucht. Langeweile fühlt sich ungeheuer ungemütlich an und niemand hat Lust auf sie. Aber glaubt mir, ihr werdet merken, wie sehr ihr sie die ganze Zeit vermisst habt.

 

rehof-rutenberg-ferienhaus-brandenburg.de

 

 

Re:hof Rutenberg
Dorfstraße 23
17279 Lychen OT Rutenberg

von Berlin aus in 1:45 h mit dem Auto zu erreichen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr davon