Ist Ästhetik Kunst?

Die Kunstwerke aus Papier verbinden Geometrie mit Natur, Dreiecke mit Bäumen. Beides gibt’s schon seit ein paar Ewigkeiten auf unserem Planeten. Geometrie als Grundstein menschlicher Rechengerüste in Verbindung mit einem Werkstoff meist pflanzlicher Herkunft wie Papier ist einfach, unkompliziert und pur. Die Kunst besinnt sich auf Anfänge. Und trotzdem geht diese Besinnung eine Liaison mit der heutigen Sicht ein. Wir sehnen uns nach Klarem und Unkomplizierten. Wird Kunst berechenbar? Unterliegt Kunst einem Zwang zur Ästhetik, dem Puren und Minimalistischen, weil man sich mit dem Unberechenbaren nicht auseinandersetzen will? Ist Berechnung nicht leidenschaftslos und ist das monotone Zusammenkleben von Papierschnipseln überhaupt noch Kunst, wenn man hinter Kunst einen Künstler vermuten darf?

Matt Shlian macht ästhetische Kunst. Er ist Künstler. Aber eben auch Designer. Kunst und Ästhetik gehen mal wieder Hand in Hand. Trotzdem sagt er in dem kleinen Film (s. unten), dass er Kunstwerke, von denen er vorher schon genau weiß, wie sie aussehen werden, nicht machen möchte. Das ist für mich die Herangehensweise eines Künstlers, und nicht die eines Designers. Er hat eine Idee und fängt dann assoziativ an zu arbeiten, während sich die Idee zu formen beginnt und eine Silhouette annimmt.

Auf der Info-Seite seiner Homepage sehe ich den Künstler Matt Shlian auf einem Foto in Wissenschaftlicher-Pose am Rednerpult. Als Papierkünstler kollaboriert er mit Wissenschaftlern der Universität zu Michigan. Die Professoren sehen die Papierkonstruktionen als Metaphern wissenschaftlicher Grundsätze an. Matt Shlian fühlt sich durch ihre Forschung als Künstler inspiriert. Aufbauend auf der Forschung, kommt Matt zu einer Idee und fängt an, sie umzusetzen.

„In my studio I am collaborator, explorer and inventor. I begin with a system of folding

and at a particular moment the material takes over.“

Dieser spezielle, ungewöhnliche, der particular moment eben, ist für mich der Punkt, an dem Matt zum Künstler wird, an dem er sich dem Prozess – und die Wissenschaft der Universität – überlässt.

 

 

all images © Matt Shlian
via

 

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