Das wäre doch dann ich, oder?

Das vollkommene Blog, der beste Blogger, welches Blog, wie bloggen Sie? Blo – bl – o – blp.

Ja, ich hab mich gefreut. Als das Bl – Bl – Blog des Zeit Magazins  mich gebeten hat, ihren Fragebogen für Blogger frei nach Marcel Proust zu beantworten. Das Dokument geöffnet – und dann erstmal: Bl – Bl – Bl. Bis zu dem Moment, als ich in jeder zweiten Frage das Wort Blogger, online oder Netz gelesen habe, war mir nicht ganz klar, dass ich als Bloggerin bezeichnet werden könnte. Jedenfalls habe ich es noch nie bewusst getan. Alleine das Wort kommt mir so schwer über die Lippen. Plump. Als wäre ich nicht Alicja, sondern eine Sorte. Ein Topf, in dem es bl – bl – blubbert, in dem Bl – Bl – Bloggerinnen schwimmen, denen man Fr – Fr – Fragen stellen kann. Zu dieser irren Netzwelt. Im Vergleich zur Realität.
Und dann lese ich die Frage: Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen? Direkt danach: Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

Zwischenfrage: Sind die Menschen online andere Menschen als die Menschen offline? Nein, natürlich nicht. Sie geben sich nur anders. Aber was schätze ich dann an ihnen? Natürlich, dass sie einfach so sind, wie sie offline auch sind. Ich kann mir nicht helfen, aber teile ich gerade tatsächlich einen Menschen in On- und Offline-Status ein? Wie bin ich im Netz, wie bin ich in der Wirklichkeit? Was unterscheidet den Menschen Online vom Menschen Offline? Online sehe ich nur das, was er von sich preisgibt. Offline sehe ich ihm in die Augen.

Am liebsten will ich sagen, dass Online- und Offlinestatus einfach übereinstimmen sollen. Oder dass sie das einfach immer so tun. Ganz ehrlich und pur. Aber ich, im Onlinestatus, bin wohl tatsächlich anders als Offline. Nehmen wir mal Facebook. In meiner Chronik tauchen manche Namen ziemlich gehäuft auf. Da gibt es dann Menschen, die zwei- bis dreimal am Tag was in die Runde posaunen. Die teilen das Lieblingslied. Die schreiben, wo sie gerade sind. Die machen ein Foto von ihrer chaotischen Küche. Ich dagegen lasse die Facebook-Runde in Ruhe durch den Alltag wabern und werfe ab und zu einen Blick auf Küchenchaos oder Landkarten. Stelle ich mir dagegen vor, dass ich mit einer Reality-Runde gemütlich am Abendbrottisch sitze, sehe ich mich gut gelaunt die Pepperoni aus dem Salat ziehen und eine Hymne auf die „Pizza von de Peppo mit de schaaafe Pepparoni“ trällern. Dabei denke ich mir – Nichts. Ich erwarte keinen Daumen hoch und keinen Kussmund. Ich drücke keinen „Veröffentlichen“-Button und damit gleichzeitig keinen Erwartungs-Button in mir selbst. Es ist mir halt so rausgerutscht, aus Freude.

Ich denke nicht: Wie komme ich dabei rüber? Passt das zum aktuellen Tagesgeschehen? Wie macht sich das nach zwei Tagen in meiner Chronik? Und irgendwie habe ich es trotzdem noch nicht geschafft, in so einem Moment dann mein Handy zu zücken und aus der Realität ein gut gelauntes Selfie oder einen Schnappschuss von meinem Abendessen in die Online-Welt zu schicken. Das wäre doch dann ich, oder? Ein reales Abbild von mir, ich im Offline-Status! Erwischt. Handy zücken, Kamera, lächeln, Klick. Und dann nur noch schnell online stellen.

 

Was schätzt ihr an Menschen, denen ihr im Netz begegnet, und was an solchen, denen ihr in der Wirklichkeit begegnet? Wo liegt da der Unterschied? Und gibt es einen Mittelweg zwischen Selbstinszenierung und schlichtweg Raushalten im Netz? Hier geht’s zum Proust-Fragebogen des Zeit Magazins und meinen Antworten.

 

image © Line Thit Klein, via Yvonne Koné

4 Kommentare

  1. Madhavi sagt:

    Herzlichen Glückwunsch, Du Tolle!

  2. anouk sagt:

    Bereichernde Gedanken via ONLINE – Danke!

  3. Katharina sagt:

    Ein toller Text! Und auch wirklich tolle Antworten auf die Fragen.
    Die letzte finde ich am Besten. Die mit den Motten. 😉

  4. Anouk sagt:

    … einfach immer wieder erfrischend zu lesen!

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